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Vote: 7.5/10

Licht und Schatten auf dem Weg zur perfekten Modern-Metal-Verdammnis

"Vielversprechend" wäre eine stark untertriebene Beschreibung für den ersten Höreindruck, den "Blackwaters" hinterlässt: Eine unbekannte Truppe namens TERRORWAY meißelt hier ein Debütalbum in die Metallandschaft, das sich gewaschen hat, mischt Bay-Area-Thrash mit Death Metal, Math- und einer Prise Metalcore, und klingt dabei dermaßen professionell, routiniert und zugleich ambitioniert, dass ich vorschnell schon vom Neuling des Jahres schreiben wollte. Die vier jungen Herren von Sardinien schicken sich an, die Lücke zu füllen, welche PANTERA dereinst hinterlassen haben, und schreiten dabei mit Sieben-Meilen-Stiefeln gen Zukunft. Das Spannungsfeld, in dem man sich bewegt, wird abgesteckt von MESHUGGAH und THE DILLINGER ESCAPE PLAN, und dazwischen dürfen BLEED FROM WITHIN oder LAMB OF GOD als Steigbügelhalter fungieren. "Blackwaters" ist packend, bösartig, ambitioniert – und doch leider alles andere als perfekt.
'Wretched' eröffnet den Neun-Tracker mit hämmernden Thrash-Rhythmen und fiesem Geschrei, übt sich sogleich in vertracktem Riffing und fegt den ahnungslosen Hörer zunächst wie ein Wirbelwind von den Beinen. Ein perfektes, knackig-wüstes Soundgewand und das selbstbewusst unkonventionelle Songwriting erwecken den Eindruck, es hier mit langjährigen Veteranen und nicht vermeintlichen Anfängern zu tun zu haben. Den ultimativen Höhepunkt, den 'Wretched' noch vermissen lässt, liefert das folgende 'Blackwaters' nach. Und diese von einem schwermütigen Gitarrenriff begleitete Midtempo-Kanonade zählt nun wirklich zur Kategorie "Übersong"; hier stimmt einfach alles, hier sind Aggressivität, emotionale Erschütterung, Tragik und Entschlossenheit im Übermaß vorhanden.

Die Einordnung in vorgefertigte Schubladen hat sich mit dieser tonnenschweren Dampfwalze endgültig erledigt; TERRORWAY steht tatsächlich für eine eigenständige Gangart in einem massiv übersättigten Umfeld. Doch leider versäumt es die Band im Folgenden, den Sack endgültig zuzumachen: Egal ob es die MACHINE HEAD-mäßig heulenden Gitarren und Riffattacken bei 'In A Swamp' oder die PANTERA-Huldigungen bei 'Walking Silent' sind, egal ob 'Chained'  atmosphärisch fesselnd verklingt oder 'Renewal' losbricht wie ein groove-metallischer Hornissenschwarm – in den meisten Fällen landet die Truppe bei der schlichten Maxime, so wütend und vernichtend wie nur möglich zu klingen. Dabei vergessen die Italiener schlicht, ihren Songs mehr Spannungsmomente zu verleihen. "Blackwaters" klingt zunächst hochgradig aufregend, doch viele Ansätze bleiben Stückwerk, und nur hinter wenigen der komplexen Strukturen verbergen sich wahrhafte Offenbarungen. Der große Rest ist nur anspruchsvoller Lärm.
Klar, modern-vertrackte Schlachtäxte wie 'Renewal' oder 'A Cursed Race' machen durchaus Laune, und stecken manch anderen Modern-Metal-Vertreter locker in die Tasche.

Aber es wäre noch so viel mehr drin gewesen! Den Beweis dafür liefert der phänomenale Album-Ausklang 'Ruins': Eine bedächtige Gitarrenmelodie läutet eine in Doom-Tempo ablaufende Vernichtungsorgie ein, ehe Deathcore auf Modern Thrash amerikanischer Marke trifft – und gänzlich unerwartet wird dieses Gemetzel aufgelöst in ein nachdenkliches, von Flamenco-Gitarren untermaltes Instrumental-Outro. WTF!?! Klingt verrückt, ist aber wirklich allererste Sahne!
Vielleicht ist es meinem persönlichen Bedürfnis nach Kontrasten geschuldet, dass TERRORWAY um mich zufriedener zu stimmen noch mehr entsprechende Spannungsbögen und emotionale Highlights in "Blackwaters" hätte unterbringen müssen. Was bleibt, ist ein starkes Debüt mit vielen vielversprechenden Ansätzen und der Erkenntnis, dass die Italiener dennoch unter ihren Möglichkeiten bleiben. Eine Hörempfehlung kann aber zweifelsohne ausgesprochen werden. Freunde härterer, moderner Thrash-Klänge und intelligenter Arrangements, die Atempausen ohnehin nur einfordern, wenn der CD-Player pausiert, können hier locker noch einen Bewertungspunkt drauf packen.
Anspieltipps: Blackwaters, Ruins, Chained

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Sep 30, 2013 Visits: 585